Der Mönch von Salzburg im Interpretationsprofil der Gegenwart

Der Mönch von Salzburg – faszinierend und ungreifbar, wird man seinen Namen doch wohl niemals enthüllen. Wegweisend und einzigartig sind seine weltlichen und geistlichen Lieder, wertvolle Zeugnisse mittelalterlicher Musikkultur in Salzburg. Breit rezipiert wurden diese Lieder bereits zu Lebzeiten des Mönchs, aber wieder beachtet erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, nachfolgend für das Musikleben entdeckt und schließlich seit den späten 1970er Jahren neu belebt. Drei Konzerte mit Silvan Wagner, dem Ensemble Harmonia Variabilis und der Salzburger Virgilschola gaben im Juni 2018 Einblick in die heutige Vielfalt dieses Liedschaffens. Begleitend führte ein Symposion die Eindrücke dieser Konzerte mit Positionen der Forschung zusammen; die aktuelle Standortbestimmung zeigt auf, wie lebendig sich ein Lieder-Corpus des 14. Jahrhunderts in die Gegenwart setzen lässt.

Mit Beiträgen von Gerhard Ammerer, Ingrid Bennewitz, Britta Bußmann, Elisabeth Gruber, Stefan Engels, Thomas Hochradner, Walter Kurt Kreyszig, Alexander Rausch, Thomas M. Schallaböck, Siegrid Schmidt und Silvan Wagner.

 

Der Mönch von Salzburg im Interpretationsprofil der Gegenwart, hg. v. Thomas Hochradner und Siegrid Schmidt, Wien: Hollitzer Wissenschaftsverlag 2021 (Veröffentlichungen des Arbeitsschwerpunktes Salzburger Musikgeschichte 7).

Die Litaneien von Wolfgang Amadeus Mozart und die Salzburger Tradition

Karina Zybina setzt sich in diesem Buch mit nahezu unbekannten kirchenmusikalischen Werken Wolfgang Amadeus Mozarts auseinander: seinen Litanei-Vertonungen. In und für Salzburg geschrieben, zeigen sie eine auffällige Verwandtschaft mit Kompositionen seiner Zeitgenossen, insbesondere seines Vaters Leopold, Anton Cajetan Adlgassers und Johann Michael Haydns, die in konventionalisierten harmonisch-melodischen Formeln und einer standardisierten Struktur zum Ausdruck kommt. Doch weisen Mozarts Litaneien zugleich eine ‚typisch mozartischeʻ Tonsprache auf und zielen in manchen Belangen deutlich über lokale Gewohnheiten hinaus. Indem sich Salzburger Vertonungstraditionen mit Mozarts Ideenreichtum begegnen, wird anhand seiner Litaneien ein farbiges Bildnis der Gattung im Schaffen des berühmten Komponisten gezeichnet.

Karina Zybina: Die Litaneien von Wolfgang Amadeus Mozart und die Salzburger Tradition, Wien: Hollitzer Wissenschaftsverlag 2020.

 

Wege zu Stille Nacht

Mit einer „einfachen Composition“ vertonte der Organist an St. Nicola in Oberndorf, Franz Xaver Gruber, am Heiligen Abend des Jahres 1818 ein Gedicht des Kooperators Joseph Mohr. So entstand mit Stille Nacht ein Lied, das heute über alle Kontinente verbreitet ist. Eine Fülle von Texten und Filmen schildert seine Entstehung und die ebenso überraschende wie einmalige Rezeption des Liedes. Doch aus welchen mentalitäts- und religionsgeschichtlichen, musik-, literatur- und kunsthistorischen Entwicklungen heraus Stille Nacht getextet und komponiert wurde – danach wurde bisher nur selten gefragt. Im vorliegenden Band wird das ‚Weltweihnachtslied‘ zum Gegenstand einer Spurenlese, die seiner Streuung anhand des Wandels von traditionell verankerten Konstanten und wirkmächtigen Impulsen nachgeht.

Wege zu Stille Nacht. Zur Vor- und Nachgeschichte einer „einfachen Composition“, hg. v. Thomas Hochradner, Wien: Hollitzer Wissenschaftsverlag 2021 (Veröffentlichungen des Arbeitsschwerpunktes Salzburger Musikgeschichte 8).

Auf den Spuren der Salzburger Musikgeschichte

Sarah Haslinger: Auf den Spuren der Salzburger Musikgeschichte

Die im Dezember 2019 am an der Universität Mozarteum Salzburg angesiedelten Arbeitsschwerpunkt Salzburger Musikgeschichte erschienene Broschüre „Auf den Spuren der Salzburger Musikgeschichte“ bietet eine spannende und breitgefächerte Auswahl an ‚musikalischen‘ und ‚musikbezogenen‘ Museen, Archiven & Bibliotheken, Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungsorten in Salzburg – anschaulich dargestellt und mit den wichtigsten Informationen versehen. Ergänzt werden diese von Spaziergängen auf den Spuren von Michael Haydn, Constanze Nissen (Mozart), Bernhard Paumgartner, Lilli Lehmann und Herbert von Karajan, in deren Rahmen die Leserinnen und Leser das Salzburg verschiedener Epochen zu Fuß erkunden und ausgewählten Persönlichkeiten des Salzburger Kulturlebens nachspüren können.
Obwohl bei weitem nicht alles Betrachtenswerte in die Broschüre aufgenommen werden konnte, offenbart sie ein spannendes, vielfältiges Bild der vergangenen wie der gegenwärtigen Salzburger Musikgeschichte, das sich primär auf die Stadt Salzburg konzentriert, in Einzelfällen aber auch in die Weiten des Bundeslandes vordringt.

Sarah Haslinger: Auf den Spuren der Salzburger Musikgeschichte. Museen, Archive & Bibliotheken, Sehenswürdigkeiten, Veranstaltungsorte und Spaziergänge in Salzburg, Salzburg: 2019.

Quellenverzeichnis

Salzburgs Hymnen von 1816 bis heute

Salzburgs Hymnen von 1816 bis heute. Dokumentation einer Tagung im Rahmen von „Salzburg 20.16“ für den Arbeitsschwerpunkt Salzburger Musikgeschichte, hg. v. Thomas Hochradner unter Mitarbeit von Julia Lienbacher, Wien: LIT Verlag 2017 (Reihe Musikwissenschaft 25).

Die vorliegende Dokumentation der Referate einer Tagung im Rahmen des Projektes „Salzburg 20.16“ verbindet historische Stationen mit gegenwärtigen Perspektiven: Hymnen geben, spiegeln, repräsentieren Identitäten – nicht nur in politischen, obwohl dies lange Zeit im Vordergrund stand, sondern auch in geographischen, sozialen und (gerade in Salzburg schon früh) kulturellen Kontexten. Aber zugleich stehen Hymnen für ein Bündel von Identitäten, die gesellschaftlich und emotional ineinandergreifen. Deutlich wird dies aus der zwischenzeitlichen Existenz sogenannter ‚heimlicher‘ Hymnen, und umso unmittelbarer begegnet es in der Gegenwart. Migration und Integration lassen eine neue Vielfalt erstehen, die zu einem wechselseitigen Verständnis von Nationalitäten, Regionalitäten, Geisteshaltungen und Vorlieben beizutragen vermag.

Von Venedig nach Salzburg. Spurenlese eines vielschichtigen Transfers

„Von Venedig nach Salzburg. Spurenlese eines vielschichtigen Transfers“ [Tagungsbericht],
hg. v. Gerhard Ammerer / Ingonda Hannesschläger / Thomas Hochradner, Wien: Hollitzer Verlag 2015 (Veröffentlichungen der Forschungsplattform Salzburger Musikgeschichte, Band 3)

Zahlreich sind die Verbindungslinien von Venedig über die Alpen nach Salzburg, sowohl in kultureller als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Über die Handelsmagazine Salzburger Kaufleute im Fondaco dei Tedeschi nahe der Rialtobrücke war ein beständiges Kontaktnetz geknüpft, dem zufolge auch vielfältige künstlerische Aktivitäten vermittelt wurden. Der vorliegende, interdisziplinäre Tagungsband spürt diesen Bezügen insbesondere für die Bereiche Architektur, Musik und Handel nach und zeigt mit seinen Beiträgen ein vielseitiges Beziehungsgeflecht für den nachhaltigen Austausch von Waren, Personen und Ideen auf.

Salzburgs Musikgeschichte im Zeichen des Provinzialismus?

Salzburgs Musikgeschichte im Zeichen des Provinzialismus? Die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts

hg. v. Dominik Šedivý, Wien: Hollitzer Verlag 2014 (Veröffentlichungen der Forschungsplattform „Salzburger Musikgeschichte“, Band 2)

Als Folge von Eroberung, Säkularisierung und Bedeutungsverlust wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Salzburg gewohnte Verhältnisse tiefgreifend umgestaltet. Entsprechend nachhaltig waren die Konsequenzen auch für das kulturelle Leben der Stadt, dessen musikalische Seite bislang nur lückenhaft erforscht war.
Im vorliegenden Band beleuchten nun siebzehn ausführliche Beiträge die Zeit nach den politischen Umbrüchen bis zur Gründung des Domusikvereines und des Mozarteums. Thematisiert werden das fortgeführte geistliche Musikleben nach der Säkularisierung, das Leben und Werk zeitgenössischer Komponisten in und aus Salzburg, aber auch das allmähliche Entstehen des Mozartkultes in der Stadt. Im Rahmen dieses Überblicks entsteht ein umfassendes Bild über das vielfältige Musikleben, dessen Details und neue Erkenntnisse überraschen und zahlreiche hergebrachte Ansichten über diese ‚Zeit des Übergangs‘ korrigieren.